Freitag, 11. Januar 2013

Edelstahl Groundhopping Spezial 2


Titel: Edelstahl Groundhopping Spezial 2
Herausgeber: Einzelperson
Erscheinungsdatum: Dezember 2012
Seiten: 76, sw
Preis: 3,-

Drei Jahre nach der Erstausgabe bringt BRB-Jörg ein zweites Heft mit dem klangvollen Namen „Edelstahl Groundhopping Spezial“ an den Start. Damals hieß es noch „Unterwegs in Großbritannien, Nordirland und Irland“, diesmal dreht sich alles um Finnland, Estland und Lettland.

Rein äußerlich hat sich das Zine kaum verändert. Blauer Umschlag, der Rest in schwarz-weiß, dazu ein schnörkeloses Layout gepaart mit vielen Fotos. In der Tat findet sich im ganzen Heft keine einzige Seite, auf der keine Abbildung zu sehen ist. Hier kommt natürlich schnell der Verdacht auf, dass die Bilder dazu benutzt werden, um auf die entsprechende Seitenanzahl zu kommen. Vielleicht hätte der Autor hier und da auf das Ablichten einer Bierdose verzichten sollen. Dafür mehr „Angry Birds“ Merchandise.  :-)

Es ist bestimmt kein leichtes Unterfangen 76 Seiten mit einer Tour in vermeintlich unattraktive Länder zu füllen. Hier kommt auch noch erschwerend hinzu, dass ausnahmslos unspektakuläre Spiele besucht werden. Zumindest durfte man im Vorfeld nicht allzu viel Tifo auf den Rängen erwarten. Dennoch gelingt es Jörg mit seinem direkten und einfachen Schreibstil den Leser zu erreichen. Äußerst detailliert beschreibt er alle notwendigen Information und gibt Tipps, die im besten Reiseführer vergeblich gesucht werden.

Ein paar interessante Geschichten gibt es dann aber doch noch zu den Spielen.  Zunächst der Torwart von SexyPöxyt Laaksolahti, der in der  91. Spielminute seinem Team per Kopfball einen Punkt bescherte. Gegner der Truppe aus Laaksolahti war übrigens nicht der FC Kiffen 08 und somit kam es nicht zu einem Aufeinandertreffen der Mannschaften mit den klangvollsten Namen im finnischen Fußball.  Oft stand der Schreiber auch während der Spiele mit den Vereinsoffiziellen im Kontakt und konnte so die ein oder andere Anekdote aufschnappen. Im Nachhinein stellte sich sogar heraus, dass ein Spiel unter der Fuchtel der Wettmafia stand. Sechs Spieler der Heimmannschaft JK Tallinna Kalev sorgten dafür, dass das Spiel mit 0:6 verloren ging. Pro Spieler, ein Tor. Passt doch.

Wer eher der Ansicht ist, dass in einen Spielbericht Riots und Freudenfeuer gehören, sollte von einem Kauf absehen. Für jeden, der eine Reise in diese Region plant, oder sich für diese interessiert, ist das Heft ein Pflichtkauf. Lesenswert ist es definitiv. Ich freue mich schon auf kommende Ausgaben. Bestellungen gehen an: pochert@hotmail.de

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Gelbsucht 13


Titel: Gelbsucht 13
Herausgeber: The Unity Dortmund
Erscheinungsdatum: April 2012
Seiten: 196, farbig
Preis: 4,-


Bisher war das Fanzine „Gelbsucht“ aus Dortmund nur dadurch bekannt, dass es Höchstpreise in einem bekannten Auktionshaus erzielte. Das wird den Herausgebern sicher auch nicht entgangen sein und somit wurde ab der Ausgabe 13 ein Versand angeboten. Mindestabnahme fünf Hefte, eine kleine Selbstauskunft, welchem Verein man die Treue hält und schon war man stolzer Besitzer eines Exemplars.

4€ werden für die 196 Seiten verlangt. Ein vertretbarer Kurs, denn das Heft macht optisch einen soliden, professionellen und sauberen Eindruck. Keine Spielereien und Firlefanz beim Layout, sondern eine klare Linienführung und sachliche Darstellungen bestimmen das Bild.

Inhaltlich hebt sich das Fanzine nicht unbedingt von anderen Blättern ab. Die Spielberichte des Jahres 2011, verschiedene Texte über die Gruppe, den Verein und fanpoltische Belange, sowie ein kleiner Überblick über die Kontakte zu den Fans von Brondby IF. Hier speziell zur Gruppe Alpha Brondby, die Gelegenheit bekommt sich und eine der größten dänischen Kurven vorzustellen. Etwas eigenwillig ist die Unterteilung der Spielberichte. Oft ist es ja üblich alle Berichte chronologisch aufzuführen. Die Dortmunder unterteilen zusätzlich noch die Wettbewerbe und so entstehen mehrere Abschnitte Bundesliga, zwei aus der Champions League und einer der sich mit dem DFB Pokal befasst. Diese Zerstückelung hatte aber keine Negativauswirkungen auf den Lesefluss. Besonders interessiert hab ich die Amateurberichte verfolgt. Werden doch die Dortmunder Amateure als einzige Zweitvertretung in diesem Maße unterstützt. Bei Heimspielen finden sich regelmäßig um die 750 Zuschauer im Stadion „Rote Erde“ ein und auch auswärts sind die „Ultras von die Amateure“ immer dreistellig vertreten. Viele qualitativ hochwertige Fotos und ein kleiner Streetart-Teil runden das Heft ab.

Das Heft ist ein solides Machwerk, mit etwas Luft nach oben, denn gerade die Spielberichte könnten etwas mehr Leben vertragen. Löblich ist allerdings, dass man sich nicht aufs Pöbeln und Niedermachen anderer Gruppen beschränkt, auch nicht wenn es die verhassten Nachbarn aus Gelsenkirchen sind. Bestellungen sind an gelbsucht@the-unity.de zu richten. Verkehrt macht ihr damit nichts.

Donnerstag, 15. November 2012

45 Grad 1

Titel: 45 Grad 1
Herausgeber:  Einzelpersonen (Leipzig)
Erscheinungsdatum: Oktober 2012
Seiten: 96
Preis: 2,-


Wie, schon wieder ein überregionales Fanzine, das sich mit den Fankurven des Landes befasst? Handeln denn „Erlebnis Fussball“ und „Blickfang Ultra“ das Geschehen nicht schon genug ab? Nein. Und genau deshalb kommt „45°“ gerade richtig. Die Macher*innen aus Leipzig wollen ab sofort ein allmonatliches und damit einigermaßen aktuelles Sammelsurium der bedeutendsten und interessantesten Spiele aus Deutschland und dem Ausland abliefern. Große, imposante Fotos, die auch schon gerne über die A5-Doppelseite gehen, die die Faszination Ultrà eindrucksvoll in den Mittelpunkt rücken lassen. Und wie: Sie es durch die Abbildung der riesigen Dynamo-Blockfahne beim Auswärtsspiel in Berlin. Sei es durch die grandiose Choreo der Schalker, die das Parkstadion glorifiziert. Oder sei es der Corteo der Ajax-Anhänger in Dortmund.

Die Action aus 43 Partien, davon neun aus dem europäischen Ausland, findet so ihren Platz. Dazu gibt es kurze, knackige Infos aus den Gruppen zu den jeweiligen Darbietungen auf den Rängen. Es sei nur nebenbei bemerkt, dass sich augenscheinlich keine Szene gegen die Darbietung in diesem Heft wehrt. Damit dürften auch die größten Unterschiede zu den bereits erwähnten, vergleichbaren Publikationen erläutert sein. Das BFU zählt in meinen Augen weiterhin zum führenden Organ dieser Branche und agiert im Vergleich zum 45° mit einer großen Themenbandbreite, tiefgründigen Berichten und inhaltsreichen Interviews. Die größte Schnittmenge liegt wohl beim prähistorischen „Match Live“, das bis vor etwa zehn Jahren in den Bahnhofsbuchhandlungen erhältlich war und ebenfalls die größte Fan-Aktionen abbildete.

Die 45°-Redaktion will mit dem Werk zugleich „eine Kampfansage an die mit dem Internet verbundene Oberflächlichkeit“ erwirken. Ob dieser „Kampf“, wie sie ihn nennen, gewonnen werden kann, ist stark zu bezweifeln. Eine Würdigung der Kurven respektive der Aktionen ist mit dem Heft auf schlichte, aber nachhaltige Weise allemal gegeben.


STS

Mittwoch, 7. November 2012

Saarboteur 3

Titel: Saarboteur 3
Herausgeber:  Einzelpersonen (Saarbrücken)
Erscheinungsdatum: September 2012
Seiten: 72, farbig
Preis: 3,-

…und schon wieder lächelt mich ein Werk von Casper David Friedrich an. Genauer gesagt sind es die Kreidefelsen auf Rügen, die das Cover der aktuellen Ausgabe des Saaboteurs zieren. Nur ein Jahr nach der Erstausgabe, ist schon die Dritte der Postille erschienen. Dass diese kurzen Intervalle nicht nur mit unterklassigem Gegurke zu machen sind, zeigt die Crew rund um Ray eindrucksvoll. 14 verschiedene Länder wurden bereist, darunter auch Exoten, wie Albanien, Kosovo und Mazedonien. Der Luxemburg-Teil wurde allerdings dramatisch reduziert. Vermutlich arbeitet man an einem „Informer de Lëtzebuerg“. Aber das wäre nur Spekulation. ;-)

Bisher geklebt, jetzt getackert, weiterhin 72 farbenfrohe Seiten! So lässt sich knapp und präzise das angenehme Äußere des Saarboteurs beschreiben. Die Besetzung wurde wieder ein wenig durchgewürfelt und mit Tim ist ein erfahrener Autor hinzugestoßen, der mit seinen sachlichen und informativen Texten einen gewissen Gegenpart zu Rays akrobatischen und humorvollen Verschachtelungen stellt. Alle Schreiber überzeugen aber mit ihrem eigenen Schreibstil und füllen das Heft neben unterhaltsamen Touren durch Europa auch mit Auswärtsspielen des Heimatvereins und Fanzinereviews, die sich auf insgesamt vier Seiten breitmachen.

Die Vorliebe für das Nachbarland Frankreich ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Langeweile kommt aber keineswegs auf. Denn das was für die Sachsen Tschechien ist, ist für den Saarländer nun mal Frankreich. ;-) Hier muss man die Korsikareise hervorheben, auf der man einen Freundschaftsbesuch beim Gastspiel des AS Nancy Lorraine in Ajaccio mit der Aufstiegssause des SC Bastia verbinden konnte.  Aber auch in Deutschland werden verschiedene ehrwürdige Stadien besucht. Alleine schon durch den Drittligaalltag ist man quasi dazu gezwungen das Böllenfalltor, Preußenstadion und den Bieberer Berg anzusteuern.

Wer weiterhin neugierig auf Saarbrücken, Nancy und Groundhopping ist, sollte hier wieder zuschlagen. Auch die Nummer 3 ist eine lohnende Investition. Eine Steigerung zu den Vorgängerausgaben ist durchaus zu erkennen und so halte ich die vorerst beste Ausgabe des Saarboteurs in den Händen. Bestellen könnt ihr direkt unter saarboteur@web.de !

Freitag, 2. November 2012

Der Daggl 2

Titel:  Der Daggl 2
Herausgeber:  Nürnberg (Einzelpersonen)
Erscheinungsdatum: August 2012
Seiten: 100, sw
Preis: 2,-


Schlappe vier Monate nach der Erstausgabe liegt hier schon die Nr. 2 des Daggls in meinen Händen. Nachdem bei der Nr. 1 direkt die Auflage nachträglich erhöht werden musste, war es klar, dass es eine weitere Ausgabe geben muss.  Optisch hat sich nichts verändert, der Umfang ist allerdings auf gute 100 Seiten gestiegen. Dem Preis von 2,- ist man allerdings treu geblieben - sehr schön! Autoren sind wie auch schon in der ersten Ausgabe die Schreiber verschiedenster Nürnberger Zines.

Inhaltlich stehen nur wenige Veränderungen an. Die 20 Spiele vom 1. FCN werden auch für Außenstehende interessant gehalten. Bei Paarungen wie Nürnberg-WOB oder Freiburg-Nürnberg ist das ja keine Selbstverständlichkeit. Mit 43 Spielen aus 16 Ländern nimmt der Groundhopping-Teil allerdings stark zu. Besonders stechen hier die verschiedenen Berichte aus Südamerika und der Arabischen Halbinsel hervor. Europäische Derbys(Athen, Belgrad und Sofia), Freundschaftsbesuche in Wien und Kurztripps ins Nachbarland Tschechien ergänzen die bunte Auswahl perfekt.

Fortgesetzt wurde natürlich auch die Serie „Fanzinevorstellung“. In dieser Ausgabe wird das traditionsreiche „Fränkisch Brot“ vorgestellt. Wie schon in der letzten Ausgabe gibt es ein kurzes Interview mit dem Autor und ein paar Einblicke in das Heft.  Fanzines aus anderen Ecken Deutschlands werden aber ebenso vorgestellt, rezensiert und angepriesen.

Die eher für FCN-Fans interessanten Themen Glubb-Classics, Glubb-Quiz und der Dagdischdammdisch komplettieren die Ausgabe. Wiederum sehr interessant ist der Statistikteil auf der letzten Seite, der hoffentlich fortgeführt wird. Eine dritte Ausgabe ist soweit ich weiß schon in Planung. Bestellen könnt ihr unter: dagglmania@googlemail.com

Montag, 15. Oktober 2012

Transparent 2

Titel: Transparent 2
Erscheinungsdatum: August 2012
Seiten: 68, farbig
Preis: 3,90


Es tut sich etwas in der hiesigen, fußballtechnisch bislang ja doch sehr drögen und weitestgehend eintönigen bis nicht vorhandenen Magazin-Landschaft. Das ‚Transparent’ ist nach der Debüt-Ausgabe im April inzwischen mit der zweiten Ausgabe auf dem Markt. Allein das ist erfreulich, denn immerhin wurde in der doch relativ ereignisarmen Sommerpause genügend Stoff zusammen getragen, um pünktlich zum Start der neuen Saison an den zahlreichen Ständen der vermutlich politisch linken und/oder progressiven Fan- und Ultragruppen sowie in (immer mehr, aber noch zu wenigen) Buchläden zu je 3,90 Euro auszuliegen.

Glänzend kommt es daher. Und mit großflächigen, tollen Fotos und fast genauso großen Zitaten oder Headlines, was ich rein optisch weniger ansprechend finde. Der DIN-A4-Raum wird ausgenutzt oder eben, wie es scheinbar auch en vogue ist, groß gelettert. Irgendwie sieht das Ganze schon professionell aus, andererseits wird sich beim Layout nach meinem Empfinden noch so ein wenig ausprobiert.

Beim Überfliegen von Vorwort und Inhaltsverzeichnis bestätigt sich der thematisch gute Eindruck der Erstausgabe. Im Prinzip lassen sich die Themen in exakt die drei Bereiche einteilen, die das Heft als Motto ausgibt: ‚Football, Culture & Politics’. Aufmacher ist die aktuell wieder aufkommende Diskussion um die Abschaffung von Stehplätzen. Dabei wird viel Bekanntes und zumindest für mich wenig Neues chronologisch aufgerollt und mit dem zusammen gefasst und mit den neuesten Erkenntnissen nach der jüngsten Sicherheits-Konferenz ergänzt. Ein gut gemeinter Ansatz, der aber noch tiefer und breiter behandelt werden sollte, beispielsweise mit einem Interview mit einem Befürworter der Stehplatz-Abschaffung. So kann davon ausgegangen werden, dass diese Thematik in vergleichbaren Publikationen ähnlich intensiv behandelt wurde. Immerhin wird aber der Vergleich auf das vermeintliche Musterbeispiel Großbritannien gerichtet. Gerade die dortigen Aktivitäten im Zuge des Projekts „Safe Standing“ sind absolut lesenswert und textlich fast schon wieder zu knapp bemessen. Wieder, weil mangelnde Tiefgründigkeit in den Texten schon ein Kritikpunkt bei der Erstausgabe war.

Die Gewinnung von Autoren wie Gerd Dembowski, Nicole Selmer oder Jakob Rosenberg, die auch regelmäßig am ‚ballesterer’, dem seit 2000 existierenden, österreichischen Pendant mitwirken, sollte prinzipiell ein großes Plus sein. Dennoch finde ich den UEFA-kritischen Text, der die Heuchelei des Verbands mit der Vokabel „Respect“ schildert, inhaltlich ebenso zu kurz, wie das anschließende, sonst wirklich interessante Interview mit Jacek Purski, der mit seiner Organisation „Never Again“ einen Teil der antirassistischen Aufklärungsarbeit in polnischen Stadien leistet und die doch sehr angenehme Botschaft übermittelt, dass zwischen Gdansk und Wroclaw nicht mehr überall die Runen am Zaun geflaggt werden. Auch wenn es sich in meiner Kritik so liest: Die Straffheit in vielen Texten ist kein erdrückendes Manko, aber sie ist sicherlich dem zweifelsfrei guten Willen geschuldet, auf den 68 Seiten auch weniger ultra-relevanten Topics Einzug zu gewähren. So gibt es unter der Hinzugabe von Interviews mit Spielern oder Trainern, in diesem Fall Jürgen Sparwasser (der sicher nicht beste, aber wohl bekannteste Fußballer aus der DDR im Westen) oder Bandportraits („Stage Bottles“) genügend weitere Fußball- und Kultur-Artikel. Von allem etwas und vom Ansatz auch fast immer richtig interessant, aber hin und wieder zu oberflächlich. Bahnbrechendes soll und kann allerdings auch nicht die Erwartung nach zwei Ausgaben sein.

Wünschenswert wäre die Ausweitung der Verkaufsstellen sowie ein Bahnhofskiosk-Verkauf, damit das „Transparent“ nicht nur denjenigen vorbehalten bleibt, die es ohnehin schon zu schätzen wissen.

Das Ganze liest sich nach etwas viel Nörgelei, ist aber schon eher einem Jammern auf hohem Niveau einzuordnen. Potential hat das bislang Abgelieferte allemal. Und schließlich ist es doch nur wünschenswert, gerade in dieser überaus konservativen Sport-Medienlandschaft, den Ball ruhig öfter über den linken Flügel zu bringen.

STS

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Stöffche 1


Titel: Stöffche 1
Herausgeber:  Ultras Frankfurt
Erscheinungsdatum:  März 2012
Seiten: 136, komplett farbig
Preis: 3,-

Die Ultras Frankfurt haben viel Nachholbedarf in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Neben dem Infozine Schwarz auf Weiß und unregelmäßig erscheinenden Texten auf ihrer Homepage lässt man sich kaum in die Karten sehen. Im Jahre 2006 erschien mit der 15. Ausgabe des „Babbedeggels“ das letzte Fanzine aus der Feder der Frankfurter. Mit dem „Stöffche“ will man wieder literarisch aktiv werden und so bringt man ein 136-Seiten starkes Heft im DIN-A4 Format für moderate drei Euro an den Start. Viele der Interessenten haben sich aber wohl zu früh gefreut, denn das Heft wird nur vor der Nordwestkurve vertrieben. Ein Versand wird kategorisch ausgeschlossen. Zu einem Kauf inkognito direkt am Stand wird nur bei sicherem Beherrschen der hessischen Mundart geraten.

Ähnlich wie im bereits etablierten Nürnberger Pendant „Ya Basta“ bietet das „Stöffche“ eine breitgefächerte Auswahl an Themen. Neben kritischen Texten zur Vereinspolitik wird natürlich auch ein Blick in die Nordwestkurve geworfen. Hier sind besonders die Berichte über die selbst organsierten Sonderzugfahrten  und die detailliert geschilderten Spielberichte erwähnenswert. Gerade Letztere werden sachlich und informativ dargelegt. Ein Jargon, wie er aus der Plattenpost oder dem Zentralorgan bekannt ist, wird nicht verwendet und so beschränken sich die Ausführungen nicht nur auf Mobstärke, Bauchtaschendichte und Plünderungen. Vielmehr wird auch die eigene Kurve kritisch betrachtet. Besonders der Rückgang der guten Stimmung bei Heimspielen macht den Frankfurtern zu schaffen. Zusammenstöße mit anderen Gruppen werden nicht verschwiegen, aber auch nicht sonderlich ausgeschmückt. Prollgehabe? Fehlanzeige! Ferner wird ein Blick hinter die Kulissen der Sektion Stadionverbot gegeben. Bei jedem Spiel der Hinrunde 2011/2012 war eine zweistellige Anzahl Ausgesperrter anwesend. Hierbei wird der Zusammenhalt hervorgehoben, und – es ist das einzige Mal im Verlauf des Heftes – rückblickend und selbstkritisch das eigene Handeln hinsichtlich Gewalt und Überfälle angerissen.

Wie zu erwarten werden Themen mit politischem Zusammenhang rar gesät. Immerhin wird von einer von Teilen der Fanszene organisierte Reise nach Auschwitz berichtet. Neben dem Fanprojekt waren hauptsächlich Mitglieder der Droogs, dem EFC Schwarze Geier und weitere Einzelpersonen beteiligt. Teilnehmer der Exkursion versuchten mit nachdenklichen Worten dem Leser einen Eindruck von dem Erlebten zu schaffen.

Ein weiterer Teil wird dem Thema Kultur zugeschrieben. Los geht’s direkt mit dem Stöffchen an sich. Was ist eigentlich dieses Stöffche? Wer jetzt auf berauschende Mittel aus dem Bahnhofsviertel hofft, den muss ich leider enttäuschen. Es handelt sich um den wohlschmeckenden Ebbelwoi; hochdeutsch Apfelwein. Damit man auch weiß, wie man das hessische Nationalgetränk zu sich nimmt, werden auf den folgenden Seiten die Werkzeuge Bembel, das Gerippte und das Deckelche erklärt. Aber nicht nur der Gaumen soll angeregt werden, daher gibt es auch ausführliche Erzählungen über Frankfurt selbst und mit dem „Lesestöffche“ eine Rubrik, in der Bücher besprochen werden. Der Kern des kulturellen Teils bildet ein ausführliches Interview Interview mit DJ Dag. Der Musiker, der entscheidend am „Sound of Frankfurt“ beteiligt war, plaudert nicht nur von seinen Erlebnissen als DJ, sondern auch von seinen Zeiten bei der Adlerfront.

Mit Innsbruck, Mannheim, Leipzig und Bergamo kommen alle Freunde der Ultras Frankfurt zu Wort und berichten über die vergangenen Spielzeiten, von Höhen und Tiefen der Freundschaft und aktuellen Problemen in den jeweiligen Ligen und Ländern.

Das Rad neu erfunden haben die Ultras Frankfurt nicht. Man hat es aber trotzdem geschafft dem Heft seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Dass man sich eher an den Kollegen aus Stuttgart und Nürnberg orientiert und eher Richtung Magazin, als in Richtung Fanzine geht, lässt sich nicht verleumden. Mit der Aussage „Stöffche Nummer 2 kommt raus, wenn´s feddisch is“ verabschiedet sich die Redaktion und lässt den Leser ein wenig im Ungewissen, wann die nächste Ausgabe erscheinen soll. Der Grundstein für ein gutes Heft wurde mit der Erstausgabe gelegt. Wenn die Standpunkte der Ultras Frankfurt zu bestimmten Themen (Gewalt, Politik) in Zukunft noch mehr zur Geltung kommen, könnte das Heft sich locker von den schwäbischen und fränkischen Organen abheben.