Mittwoch, 13. August 2014

Bis ans Ende dieser Welt 6


Titel: Bis ans Ende dieser Welt 6
Herausgeber: Einzelpersonen (Mönchengladbach)
Erscheinungsdatum: Dezember 2002
Seiten: 40
Preis: 1,50 €

Über einen Arbeitskollegen erreichte mich eine knapp zwölf Jahre alte Ausgabe des Mönchengladbacher Fanzines "Bis ans Ende dieser Welt". Um genau zu sein, war er einer der Hauptautoren selbst, der mir das alte, selbstgetackerte Werk in die Hand drückte und gleich die Worte "früher war das halt noch alles ein wenig anders" mitgab. Prinzipiell stimmt das schon, Aufmachung und stilistischte Mittel im Allgemeinen waren durch die technischen Vorraussetzungen im Jahr 2002 "noch nicht ganz ausgereift". Mal abgesehen davon, dass heutzutage viele Hefte künstlich einen auf Oldschool machen, lassen sich aber durchaus Parallelen zur heutigen Fanzinekultur ziehen.

In diesem Falle wechseln sich kurze und knackige Gladbach-Spiele aus dem Zeitraum April bis November mit Groundhopping-Berichten aus Skandinavien, Tschechien, Polen und Kroatien ab. Die anti-kommerzielle Schreibe, die sich damals unter anderem gegen ausufernde Coca-Cola-Werbeaktionen am Bökelberg richtet, ist damals fast noch präsenter als heute. Auch von der bundesweiten Fan-Demo 2002 in Berlin, initiiert von "Pro 15:30", gibt's einen kleinen, sehr lesenswerten Report. Bereits damals wird moniert, dass die Demo fast ausschließlich von ultraorientierten Personen organisiert und durchgezogen wird, im Endeffekt aber Themen für alle Fans auf der Agenda stehen. 

So richtig interessant ist ein kleiner Abriss vom "Ultra-Cup" in Dortmund, bei dem vom gemeinsamen Turnier sämtlicher Gruppen aus NRW, von The Unity über die Wilde Horde, die Ultras Bochum, die Mönchsbande bishin zu Ultras GE, berichtet wird. Heute wär's in dieser Konstellation wohl unvorstellbar, wenngleich sich auch damals "einige Tumulte" und "kleine Scharmützel" entwickeln. Abgerundet wird die 40-seitige Ausgabe mit den damals üblichen Grüßen, einem kleinen Beitrag zum Niedergang des ehemals erfolgreichen Rheydter SV und einer Buchvorstellung. Und welche Lektüre passte damals besser in die Zeit als das "1000 Tipps für Auswärtsspiele", das wohl jeder Allesfahrer oder derjenige, der sich für einen hielt, mindestens einmal durchgewälzt hat?!

Seit 2004 lese ich Fanzines. Aus verschiedenen und sicher nachvollziehbaren Gründen komme ich eher selten dazu, Hefte der älteren Generation zu lesen, doch das war mal wieder ein schöner und vor allem abwechslungsreicher Schwenk in die Zeit der Jahrtausendwende. Sämtliche Ausgaben des "BAEDW" sind seit vielen Jahren restlos ausverkauft. Kontakt: BAEDW@gmx.de

STS

Donnerstag, 17. Juli 2014

Stöffche 3

Titel: Stöffche 3
Herausgeber: Ultras Frankfurt
Erscheinungsdatum:  April 2014
Seiten: 184, f
Preis: 4,-

Über ein Jahr hat es gedauert, dass die Frankfurter Schreiberzunft eine Fortsetzung vom Stöffche auf den Markt geworfen hat. Daher auch eine voluminöse Ausgabe (184 farbenfrohe Seiten im gewohnten A4-Format) für die üblichen 4 Euro. Wer gerne von den Reisen durch Europa lesen möchte, muss sich noch eine Ausgabe gedulden. Genau die haben auch Schuld am verspäteten Erscheinen des neue n Hefts. In der vorliegenden Ausgabe wird die Saison 2012/2013 aufgearbeitet, gepaart mit den bekannten Rubriken (Freunde, Gruppe SV unterwegs, Kolumnen, Kultur und Kneipen).

Highlight ist sicher die Aufarbeitung der Vietnam-Tour mit der Eintracht aus dem Jahre 2010, die mir aber leider auf sechs Seiten etwas zu kurz kommt. Allein eine sechsseitige Fotogalerie wäre angemessen gewesen. Dennoch spiegelt der Bericht anschaulich das Erlebte wieder. Gerade für Fans, die nicht jedes Jahr auf Europapokal-Tour sind, sind solche Ausflüge ein absoluter Höhepunkt und so kommt es auch rüber. Der Europapokal ist allerdings ein gutes Stichwort, denn schon bald erscheint das Sonderheft unter diesem Thema, gespickt mit zahlreichen Geschichten aus nah und fern.

Das Stöffche hält weiter seinen hohen Standard: Abwechslungsreiche Rubriken, textlich meistens hohes Niveau und ein schickes Layout, lassen nur eine Kaufempfehlung zu. Beziehen könnt ihr das Heft weiterhin nur bei Eintracht-Heimspielen. Meistens melden die Herausgeber auch schon nach einem Spieltag ausverkauft.

Samstag, 12. Juli 2014

Side by Side 1


Titel: Side by Side 1
Herausgeber: Einzelpersonen (Babelsberg)
Erscheinungsdatum: April 2014
Seiten: 64 / sw
Preis: 1,50
 
Eine Neuerscheinung aus dem Babelsberger Blätterwald erreichte mich am Ende der vergangenen Saison. Halt, so neu ist's gar nicht. Das "Side by Side" gehört zu jenen Heften, die eine Nuller-Ausgabe als Pilotfolge rausgegeben haben, die ich damals aber nur ungetackert und mit relativ wirr zusammengeschmissenen Texten bekam. Naja, für's Debüt drück ich ja immer mindestens ein Auge zu, auch wenn ich aufs Fortbestehen der Lektüre eigentlich nicht mehr allzu viele Pfifferlinge setzte. Nun kenne ich die Macher aber mehr oder weniger gut und weil diese in vielen Bereichen sehr engagiert sind und zudem Bremer Unterstützung fürs Layout rangeholt wurde, tauchte die (echte) Ausgabe 1 dann an so einigen Ecken deutlich verbessert auf.


Die erste Hälfte des Heftes wird mit Groundhopping-Berichten gefüllt. Keine Hammertouren durch den Kaukasus oder Zentralamerika, dafür Vieles in "erreichbarer" Nähe: Spanien, Polen, Italien sowie einige Perlen der Berlin-Liga. Und weil das alle sehr sprachgewandt, wortwitzig und vor allem informativ ist, macht es auch Bock zu lesen. Ausnahme ist der Spielbesuch bei Wisla Krakow, dessen Anfang irgendwie abhanden gekommen scheint. Jedenfalls ein sehr abgehackter Start für eine eigentlich ganz geile Polentour. Der Auswärtskick des SV Werder bei Hertha BSC wurde ebenso besucht und der Auftritt auf den Rängen ziemlich detailreich und mit eigenen Ansichten ausgeschmückt. Nicht so öde und glattegebügelt wie im typischen Stakato-Sprech einiger Gruppenhefte.

Der zweite Teil dieses 64 Seiten umfassenden Fanzines im Copystyle beinhaltet neben einigen Gastberichten von Spielbesuchen bei Celtic (die freundschaftlichen Kontakte zu den Green Brigades dürften bekannt sein) und lesenswerten Essays über die Verbindung von Drogen und Fußball in Kolumbien einige Seiten Politik- und Mentalitätsgedöns, wobei ich gerade beim Text "Ultras 2.0" mehrmals zustimmen musste. Die überhand nehmende Entwicklung, (gruppen-)sensible Infos oder Fotos in sozialen Netzwerken zu teilen, begrüße ich ebenfalls nicht und ich kann den Autor verstehen, dass der Wunsch durch Regulierung eines (scheinbar nicht vorhandenen) Direttivo eine Lösung sein könnte. Ob sich durch hierachische Strukturen grundlegend etwas innerhalb im jüngeren Teil der Gruppe (respektive der gesamten Ultrasubkultur) ändert, ist aber fraglich. Dinge, die ich an dieser Stelle auch nicht weiter erörtern möchte.

Unterm Strich ist eine gelungene Erstausgabe bei rumgekommen. Ein Heft, das der Feder eines kleinen Freundeskreises entstammt und relativ locker das zu Papier bringt, was in letzter Zeit erlebt wurde oder gerade unter den Nägeln brennt. Weiter so, bleibt am Ball!

STS

Sonntag, 15. Juni 2014

Grober Schnitzer 9 - jetzt bestellen!


Der Schnitzer Nummer 9 ist da. Was erwartet euch? Ganz heiße Ware, die euch wie immer den Sommer versüßen soll. Auf fast 100 Seiten gibt es einen bunten Mix aus Werder-Spielen der abgelaufenen Saison 2013/14 und jede Menge Auslandsberichte. Unter anderem mit dabei: Vier Derbysiege, ein Retro-Report von Werder Bremens Meister-Spiel in München 2004, das Tagebuch einer Asien-Tour durch China, Taiwan, die Philippinen und Japan sowie Stipvisiten in Nordirland, Sizilien und Polen. Rezensionen sind ebenfalls mit von der Partie und die Fortführung der Fanzine-Historie des SV Werder passte auch noch rein. Bestellen könnt ihr wie üblich unter folgender Mailadresse: castroxieme@yahoo.fr

Dienstag, 20. Mai 2014

Denkanstoß 5

Titel: Denkanstoß  5
Herausgeber: Block 12 Fürth
Erscheinungsdatum:  März 2014
Seiten: 100, f
Preis: 2,50

Ziemlich genau zwei Jahre liegen zwischen der Nummer vier und fünf des „Denkanstoß“. In der Zwischenzeit ist viel passiert: Der erste Aufstieg in die 1. Bundesliga, aber hauptsächlich wird diese Saison wohl wegen des Verlusts der eigenen Materialien an den Rivalen aus Nürnberg in Erinnerung bleiben. Das ist auch ein Hauptgrund, warum es im letzten Jahr kein Heft mit oben genanntem Arbeitstitel gab. Nun ist die Ausgabe fünf erschienen und sie wartet mit einigen Veränderungen auf, Grund genug für uns, das Heft zum zweiten Mal unter die Lupe zu nehmen.

Eine Veränderung, die gleich im Vorwort deutlich gemacht wird, ist die Tatsache, dass das Heft nicht mehr nur aus der Feder von Horidos1000 stammt, sondern das Medium des selbstverwalteten Block 12 ist. Eine zweite Veränderung wird bei den Spielberichten sichtbar: Waren diese in den Vergangenheit noch Hauptbestandteil, erinnert die aktuelle Ausgabe stark an den Stil des „45Grad“. Viele aussagekräftige Bilder, die von den wichtigsten Informationen untermauert werden. Gerade im Hinblick darauf, dass vor allem bei Heimspielen oftmals absolute Tristesse und Langeweile herrscht, eine gute Entscheidung. Dieser Stil wird auch weitestgehend durchgezogen. Kleinere Ausnahmen gibt es und diese stechen natürlich besonders ins Auge, wenn der Rest bewusst schlicht gehalten wurde.

Des Weiteren gibt es im Heft ein längeres Interview mit dem ehemaligen Trainer Mike Büskens zu verschiedenen Themen. Büskens ist natürlich mittlerweile in Fürth Geschichte, das Interview trotzdem interessant und lesenswert, gerade aufgrund seiner Aussagen zu fanrelevanten Themen. Kleinere Texte zum Thema „Tatort Stadion Ausstellung“, die im letzten Jahr erstmalig in Fürth stattfand, den Vorbereitungen zur 110 Jahre Choreo und zur Historie einer bedeutenden Zaunfahne runden den Gesamteindruck ab. Ein großer Reisebericht über eine Tour nach Marokko passt zwar irgendwie nicht so richtig ins Konzept, liest sich aber ebenfalls gut. Gegen Ende gibt es passend zum Titel des Heftes „D
enkanstöße“: „Fussballprofis – die unpolitischen Wesen?“ und „Spielbezogen? Spielunbezogen?“, die beide leider etwas kurz ausfallen und ruhig noch mehr Platz hätten einnehmen können. Etwas ausführlicher und auch vom Inhalt her ansprechender sind zwei Meinungen zu einem im BFU erschienenen Text eines Hugos-Mitglieds, die die getätigten Aussagen kritisieren, bzw. widerlegen.

Die zweijährige Pause hat dem Heft nicht geschadet. Inhaltlich wurde ein etwas anderer Weg eingeschlagen, der auch gut umgesetzt wurde. Dazu kommt noch das erfrischende, neue Layout. In Zukunft soll das Heft ab sofort in einem vierteljährlichen Rhythmus erscheinen. Eine stolze Ansage. Inwieweit das umsetzbar ist, wird die Zukunft zeigen. Bestellen könnt ihr unter: denkanstoss@horidos.de

NF

Mittwoch, 7. Mai 2014

Der Daggl 6

Titel: Der Daggl 6
Herausgeber: Einzelpersonen (Nürnberg)
Erscheinungsdatum:  März 2014
Seiten: 108, sw
Preis: 2,-

Druckfrisch aus dem Karton habe ich die sechste Ausgabe des Köters bekommen, serviert mit einem frischen Pils und drei Nürnbergern im Weckla. Das beeinträchtigt jetzt aber nicht meine Urteilskraft. Nein, auf keinen Fall. :-)

Zunächst bleibe ich beim Cover hängen. Angelehnt hat einen Song der Babyshambles lacht einem in großen Lettern geschriebenes „Fuck Forever“ an. Die Tattoos hätte man allerdings etwas besser ausarbeiten können, aber sonst: Geiles Cover! Darauf auch schon die Ankündigung, was der Leser im Heft zu erwarten hat. Wie gewohnt alle FCN-Spiele (Mai – September 2013), dazu 55 Berichte aus 15 verschiedenen Ländern und obendrauf zahlreiche lesenswerte Rubriken. Das alles wieder zum gewohnt fairen Preis und auf stolzen 108 Seiten.

Bei den Hopping-Berichten kristallisiert sich mittlerweile eine leichte Polen-, Italien- und Tschechien-Vorliebe unter den Schreibern heraus, solange der Tschechien-Anteil aber nicht Überhand nimmt, ist alles in Ordnung. Für viel Abwechslung sorgen kurze Stippvisiten in 13 weiteren Ländern. Highlights aus FCN-Sicht sind sicher die beiden Testspiele in Wien und Birmingham, denn in der Bundesliga ging es sportlich gesehen richtig bergab und der Glubb ging ohne einen einzigen Sieg in die Winterpause.

Eingangs erwähnte ich ja bereits die lesenswerten Rubriken. Ein paar möchte ich euch noch kurz vorstellen: In „Was geschah seit dem letzten Daggl?“ sinniert die Redaktion kritisch über die Aktivitäten des Glubbs in den letzten Monaten. Weiterhin wird in jedem Heft ein Fanzine (meist inaktiv) aus der Nürnberger Kurve präsentiert. In diesem Heft steht der Herausgeber von „Squadra H“ Rede und Antwort. Um sich ein besseres Bild zu machen, werden jeweils ein paar Schnipsel aus dem vorgestellten Heft abgedruckt. Hier unter anderem ein Spielbericht aus dem Jahre 2000 von der Begegnung Nürnberg - Mainz 05: „…Die Mainzer hatten ja über Internet eine Raucheinlage angekündigt, aber aus dieser wurde nichts. Angeblich wurde das Zeug am Eingang sichergestellt…“ Köstlich! Besonderes Lob verdienen natürlich wieder die zahlreichen Rezensionen auf den letzten Seiten. Weiter so!

Auch die sechste Ausgabe des Daggls ist absolut empfehlenswert. Sichert euch schnell ein Exemplar. 50 Cent wandern übrigens bei dieser Ausgabe in die Solikasse für Meli und kommen der deutschen Knochenmarkspenderdatei zu Gute. Die ersten vier Nummern sind mittlerweile ausverkauft, nur von der Fünf gibt es noch Restexemplare. Also zuschlagen unter dagglmania@googlemail.com  Fuck Forever!

Dienstag, 15. April 2014

Kurvenkratzer 4

Titel: Kurvenkratzer 4
Herausgeber: Einzelpersonen (Aue und Jena)
Erscheinungsdatum:  März 2014
Seiten: 92
Preis: 2,-

Vier Ausgaben in 18 Monaten ist eine ordentliche Schlagzahl. Entweder sind hier viele Schreiber am Werk, oder jeder Sportplatz mit festinstallierter Trainerbank und jede Randsportart dürfen sich über eine Abhandlung freuen.  Der Kurvenkratzer besticht eher durch Letzteres. In dem vorliegenden Exemplar tummeln sich neben Fußballberichten auch einige vom Basketball, Eishockey (u.a. ETC Crimmitschau) und Budenzauber. Sonst wird aber so ziemlich jeder Acker zwischen Thüringen und Sachsen umgepflügt.  Etwas internationaler wird es nur gegen Ende des Hefts,  wenn die Autoren vom Besuch auf der iberischen Halbinsel berichten.

Optisch wirkt der Kurvenkratzer recht klassisch. Klammerbindung, einfaches Layout und komplett in schwarz-weiß gehalten. Wer die größtenteils witzigen (eine Vorliebe für Rentner am Sportplatz ist nicht zu verkennen ;-) ) Fotos in Farbe begutachten will, wird auf die hauseigene Facebookseite verwiesen.  Zusammengefasst bekommt ihr schlichte 92 Seiten für faire zwei Euro.

Ein sehr kurzweiliges Heft, welches ich in einem Rutsch durch hatte. Ich musste oft schmunzeln, habe mich aber auch gleichzeitig dabei ertappt hin und wieder ein paar Zeilen zu überspringen. Kaufempfehlung gibt es auf jeden Fall, aber etwas mehr Abwechslung könnte den kommenden Ausgaben nicht schaden. Vielleicht würden ein paar ausgewählte Spiele der eigenen Vereine dabei helfen?   Bestellen könnt ihr unter: kurvenkratzerzine@gmail.com